Geschichte & Entstehung

Die Handpan ist im Vergleich zu anderen Musikinstrumenten ein Nischenprodukt. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte der Handpan bzw. Hang® erst im Jahr 2000 begann – inspiriert von Steel Drums und der Ghatam (Tonkrug für perkussives Spielen). Da Steel Drums nach innen gewölbt sind und nur mit Schlägeln gespielt werden können, hatten Felix Rohner und Sabina Scherer von PanArt Hangbau AG die Idee, die Steel Drum nach außen zu wölben und dadurch das Instrument auch mit den Händen bespielbar zu machen. So entstand ein völlig neues Instrument, das melodisches und perkussives Spielen verbindet.

steel-drum

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ghatam

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Ab 2007 begannen weitere Hersteller mit der Entwicklung ähnlicher Instrumente. Da der Name Hang® von PanART geschützt ist, tauchten erstmals die Begriffe Handpan oder seltener Pantam auf; durch die Ufo-ähnliche Form des Instruments auch des Öfters der Begriff Ufo Drum. Menschen, die das Instrument nicht kennen und zufällig entdecken, nennen es häufig Wok-Musikinstrument. Ein Distributor der Hang® in Amerika führte den Namen Hang Drum ein, um zu verdeutlichen, dass sich die Hang® ähnlich wie eine Trommel spielen lässt. Seitdem ist der Name Hang Drum sehr geläufig und bis heute präsent, auch wenn dieser laut PanArt nicht korrekt ist, da es sich bei der Hang® um keine Trommel handelt.

Unterschied Hang® und Handpan

Eine Hang® ist nur das Original aus der Schweiz von der Firma PanArt Hangbau AG. Die Instrumente aller anderen Hersteller sind Handpans oder Pantams. Dies ist ungefähr vergleichbar mit dem Begriff bzw. der Marke Tempo, ein Synonym für jede Art von Taschentuch.

Ist die Handpan in Gefahr? Kunstwerk oder Musikinstrument?

Die Hang® wurde in ihrer ursprünglichen Form bis Ende 2013 von der PANArt Hangbau AG in Bern gebaut und verkauft. Da die Produktion und der Vertrieb seitens des Herstellers stets begrenzt wurden, überstieg die enorme Nachfrage bei weitem das Angebot - es dauerte nicht lange bis sich weitere Hersteller auf der ganzen Welt an den Bau ähnlicher Instrumente machten.

Vor einigen Jahren fing PANArt an, die Hersteller auf das geistige Eigentum und die mögliche Urheberrechtsverletzung durch den Nachbau der Hang® hinzuweisen. Erste Hersteller mussten daraufhin die Form der Handpans anpassen sowie auf ihrer Internetpräsenz anmerken, dass sie von den Schöpfungen der PANArt inspiriert wurden. Seitens derer definiert man die Hang® nämlich als Klangskulptur, ein Werk kreativer Kunst, welches vor dem bloßen Kopieren durch andere zu schützen ist. PANArt erhebt Urheberanspruch auf die Linsenform, das Layout und die Form der Tonfelder, die zentrale Kuppel (genannt „Ding“) sowie die Position des unteren Gu-Lochs.

Auf dieser Grundlage reichte PANArt Anfang 2020 erstmals Klage gegen einen deutschen Handpan Shop ein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, jedoch gewann PANArt in erster Instanz. Der betroffene Shop musste sofort offline gehen und den Verkauf seiner Handpans einstellen. Daraufhin folgte eine Klage gegen einen weiteren Handpan Shop, der ebenfalls sofort offline gehen musste. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, hätte dies weitreichende Folgen für die komplette Community. Handpan Hersteller dürften möglicherweise keine Instrumente mehr in der bisherigen Form bauen und vertreiben, ohne vorab die ausdrückliche Erlaubnis von PANArt zu erhalten. Ob und unter welchen Bedingungen diese erteilt würde, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen. Von der Handpan Community wurde daraufhin die „Handpan Community United“ gegründet.

Handpan Community United (HCU)

Im September 2020 wurde offiziell die Stiftung „Handpan Community United (HCU)“ gegründet. Die HCU ist eine gemeinnützige Organisation mit bereits mehr als tausend Mitgliedern. Ihr Schwerpunkt liegt in der Sicherung und dem Schutz der internationalen Handpan Community. Neben der Herstellung und der Verfügbarkeit der Handpans, sollen das Spielen und die Weiterentwicklung des Instruments erhalten und geschützt werden. Seitens der HCU ist ein kooperativer Umgang zwischen PANArt und der Handpan Community erwünscht und es wird ein gemeinschaftlicher Kompromiss angestrebt, der beide Parteien zufriedenstellt. Ein Kompromiss, zwischen der Auffassung von PANArt, die Handpan sei ein Kunstobjekt und der Handpan Community, für die die Handpan in erster Linie ein Musikinstrument ist.

Da PANArt erstklassige Anwälte engagiert und bereits viel Zeit und Arbeit in das Verfahren gesteckt hat, wird jedoch davon ausgegangen, dass eine Präzedenzfallentscheidung getroffen werden soll, die im Falle eines Gewinns eine Rechtsgrundlage für künftige Verfügungen darstellen würde.

Die Entscheidung könnte somit bald Hersteller, Shops und Künstler von Handpans weltweit betreffen. Auch das Recht auf die öffentliche Präsentation durch Live-Konzerte, Videos, Workshops etc. könnte massiv beeinträchtigt oder sogar verboten werden. Die HCU möchte unbedingt faire Chancen für diejenigen schaffen, die vor Gericht landen und arbeitet deshalb mit der renommierten internationalen Anwaltskanzlei Bird & Bird zusammen. Die Experten sollen HCU-Mitgliedern helfen, sich gegen den Urheberrechtsansprüche zu verteidigen und rechtliche Maßnahmen zu ergreifen. Um die Handpan Community auch in Zukunft vor rechtlichen Schritten zu schützen, benötigt die HCU fortlaufende Finanzmittel und ist daher auf Geldspenden angewiesen. Mitte Oktober wurde eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Jeder, der sich für die Handpan einsetzen und die HCU unterstützen möchte, ist eingeladen sich anzuschließen. Mehr Informationen dazu findet ihr auf der HCU-Webseite. Wir sind über jede Spende dankbar!